Portfolio nach dem KI-Kurs: so baust du eins auf
Ein Portfolio nach dem KI-Kurs ist der zentrale Hebel in der ersten Bewerbungsphase. Ohne Portfolio bist du für Personaler eine Zeile im Lebenslauf. Mit Portfolio bist du jemand, der konkret etwas gebaut hat. Wer vier Monate Weiterbildung abgeschlossen hat, hat genug Material für drei bis fünf zeigbare Projekte. Die Kunst liegt darin, sie so aufzubereiten, dass ein Personaler in zwei Minuten versteht, was du kannst.
Dieser Beitrag beschreibt, wie du aus den Kursprojekten ein sauberes Portfolio machst, welches Format sich durchgesetzt hat und welche Fehler dir Einladungen kosten.
Was gehört in ein KI-Kurs-Portfolio?
Drei bis fünf dokumentierte Projekte aus verschiedenen Kategorien. Mehr ist nicht besser. Personaler scrollen nicht durch fünfzehn halbfertige Experimente.
Eine gute Mischung sieht so aus: ein Automatisierungs-Workflow, eine Prompt-Engineering-Sammlung mit Vorher-Nachher, ein datenbasiertes Mini-Projekt, optional ein Chatbot oder ein LLM-Assistent mit klarem Anwendungsfall. Wenn du den Digitalisierungsmanager-Kurs gemacht hast, decken die 13 Module genau diese Kategorien ab.
Jedes Projekt braucht drei Dinge: eine Aufgabenstellung in zwei Sätzen, eine Lösungsbeschreibung mit Screenshots, eine ehrliche Einordnung was gut lief und was nicht. Der letzte Punkt wird unterschätzt. Wer nur Erfolge auflistet, wirkt unglaubwürdig. Wer auch schreibt “Die erste Version hat die Rechnung nicht korrekt erkannt, ich musste das Prompt-Template dreimal umbauen”, signalisiert echtes Arbeiten.
Welches Format funktioniert in der Praxis?
Form ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass der Link auf eine Seite führt, die ohne Login und ohne Download in zwei Minuten erfassbar ist.
Drei Formate setzen sich durch: eine Notion-Seite mit Projekt-Karten, ein GitHub-Repository mit ausführlichem Readme, eine schlanke eigene Webseite auf einer günstigen Domain. Alle drei funktionieren. Was nicht funktioniert: PDF-Anhänge per E-Mail, Google-Drive-Ordner mit fünfzehn Unterordnern, LinkedIn-Artikel-Serien.
Die schnellste Variante ist Notion. Du brauchst kein Webdesign, keine Hosting-Entscheidung, keinen Code. Eine öffentliche Notion-Seite mit einer sauberen Kachel pro Projekt reicht. Wer technisch fitter ist, nimmt GitHub mit Markdown-Dokumentation. Das signalisiert zusätzlich, dass du mit Developer-Tools umgehen kannst, auch wenn du keinen Code schreibst.
Ein Detail, das oft vergessen wird: die URL muss einprägsam sein. drjens-portfolio.notion.site ist besser als v2-final-notion-fsdh38fj-public. Im Bewerbungsgespräch sollst du den Link diktieren können, ohne zu stottern.
Wie dokumentierst du ein einzelnes Projekt?
Drei Absätze pro Projekt, mehr nicht. Wer zwanzig Zeilen pro Kachel schreibt, verliert Personaler.
Absatz eins ist der Kontext. Was war die Aufgabe, in welchem Szenario. “Ein kleines Bauunternehmen in Bayreuth bearbeitet pro Woche etwa fünfzig Eingangsrechnungen händisch. Ich habe einen Workflow gebaut, der die Rechnungen automatisch ausliest und vorkontiert.”
Absatz zwei ist die Lösung. Welche Tools hast du eingesetzt, wie hast du es gebaut, wie lange hat es gedauert. “n8n als Workflow-Plattform, Claude für das Extrahieren der Rechnungsdaten, Google Sheets als Zwischenablage. Aufbau über drei Abende, etwa zwölf Stunden Arbeit.”
Absatz drei ist die ehrliche Einordnung. Was hast du gelernt, was würdest du beim nächsten Mal anders machen, was funktioniert nicht. “Die erste Version hat PDF-Scans mit schlechter Qualität nicht sauber erkannt. Ich habe einen zusätzlichen Preprocessing-Schritt eingebaut. Bei Handschriften-Notizen scheitert das Modell bis heute.”
Screenshots gehören dazu. Drei bis fünf pro Projekt, nicht mehr. Screenshots zeigen: das Eingabe-Beispiel, den Workflow-Aufbau, das Ergebnis.
Welche Projekte zeigen welche Kompetenzen?
Nicht jedes Portfolio muss dasselbe zeigen. Je nach Zielrolle gewichtest du anders.
| Zielrolle | Schwerpunkt im Portfolio | Beispielprojekt |
|---|---|---|
| Prozessautomatisierer | Workflows, Tool-Integration | Rechnungsautomatisierung mit n8n und Claude |
| KI-Manager im Mittelstand | Strategie und Umsetzung | Use-Case-Roadmap plus Prototyp für einen Prozess |
| Prompt Engineer | Strukturierte Prompts, Evaluation | Prompt-Bibliothek mit Vorher-Nachher-Ergebnissen |
| Daten-Analyst mit KI-Fokus | Datenextraktion, Dashboards | Dokumentenauswertung plus Reporting-Dashboard |
| Chatbot-Entwickler | Dialogsysteme, Wissensbasis | Firmen-internes Frage-Antwort-System mit Quellen |
Wenn du dir bei deiner Zielrolle unsicher bist, hilft der Blick auf passende Jobtitel beim Schärfen. Wer sich früh festlegt, baut ein kohärentes Portfolio. Wer alles zeigen will, wirkt beliebig.
Welche Portfolio-Fehler kosten dir Einladungen?
In der Beratungspraxis sehe ich immer wieder dieselben Fehler. Vier davon sind besonders teuer.
Zu viele halbfertige Projekte. Fünfzehn Experimente ohne Dokumentation sind schlechter als drei sauber beschriebene. Wer unsicher ist, welche Projekte reingehören, fragt: Kann ich darüber zehn Minuten im Gespräch erzählen? Wenn nein, raus.
Zu generische Themen. Ein Hello-World-Prompt an ChatGPT interessiert niemanden. Ein Prompt, der ein konkretes Problem eines konkreten Nutzers löst, überzeugt. Wähle Themen mit realem Kontext, auch wenn der Kontext fiktiv ist.
Keine Vorher-Nachher-Belege. Wenn dein Projekt eine Prozessautomatisierung ist, zeig Zahlen: Wie lange hat der Prozess vorher gedauert, wie lange danach. Ohne Zahlen ist es Behauptung.
Code-Schnipsel ohne Kontext. Wer als Nicht-Programmierer Python-Dateien in GitHub legt, ohne zu erklären was sie tun, wirkt wie jemand, der Tutorials kopiert hat. Lieber ein Workflow-Screenshot mit Erklärung als ein ungeklärtes Script.
Ein fünfter Fehler, der mir seltener, aber immer wieder begegnet: das Portfolio liegt in einem privaten Notion-Workspace und der Link ist nicht öffentlich. Teste den Link im Inkognito-Fenster, bevor du ihn verschickst.
Wie lange solltest du am Portfolio arbeiten?
Zwei Wochen fokussierte Arbeit reichen für eine solide erste Version. In der Praxis ziehen viele das auf sechs Wochen, weil sie parallel schon bewerben. Das ist okay, kostet aber Einladungen in den ersten Tagen.
Besser: Die ersten zehn bis vierzehn Tage nach Kursende komplett aufs Portfolio. Jeden Tag ein Projekt sauber machen. Danach parallel weiter verbessern, aber mit aktivem Bewerbungsstart. Wer drei Wochen nach Kursende noch am Portfolio bastelt und nicht bewirbt, verliert Momentum.
Das Portfolio ist nie fertig. Nach zwei Monaten hast du vielleicht ein weiteres kleines Projekt aus einer Bewerbungssituation oder einem Probearbeitstag. Das baust du ein. Wer sein Portfolio laufend pflegt, hat in der zweiten Jobsuche nach zwei Jahren einen enormen Vorteil.
FAQ
Brauche ich für ein KI-Portfolio Programmierkenntnisse?
Nein. Ein großer Teil der Projekte im Bereich Prozessautomatisierung und KI-Nutzung lässt sich mit No-Code-Tools wie n8n oder reinen Prompt-Workflows bauen. Wichtig ist die saubere Dokumentation, nicht der Code.Dürfen im Portfolio Projekte aus einem bezahlten Kundenauftrag auftauchen?
Nur mit Zustimmung des Kunden und ohne vertrauliche Daten. Praktischer ist oft eine anonymisierte Version: "Ein mittelständischer Handwerksbetrieb" statt "Firma XY". Die Bundesagentur für Arbeit hat dazu in ihrer [Bewerbungshilfe](https://www.arbeitsagentur.de/bildung/weiterbildung) grundlegende Hinweise.Wie präsentiere ich das Portfolio im Vorstellungsgespräch?
Ein Projekt als roten Faden wählen, zwei Minuten darüber sprechen, Screenshot oder Live-Ansicht einbauen. Mehr als zwei Projekte im Detail schaffst du in einem Gespräch nicht. Die anderen erwähnst du kurz, falls Zeit bleibt.Wie oft sollte ich das Portfolio aktualisieren?
Solange du in aktiver Jobsuche bist: alle zwei bis drei Wochen. Nach dem Einstieg eher alle drei bis sechs Monate, wenn ein neues zeigbares Projekt entstanden ist. Ein Portfolio ohne Pflege wirkt nach einem Jahr tot.Über den Autor
Dr. rer. nat. Jens Aichinger ist Gründer von Skill-Sprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler mit über zehn Jahren Erfahrung in Bildung und Prozessdigitalisierung. Mehr über den Autor.
Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
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