Zum Inhalt springen
Bildungsgutschein und KI-Kurs

Portfolio aufbauen neben dem Kurs

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Laptop mit offenem Notion-Dokument, daneben ein Notizbuch mit Skizze eines Workflows

Ein Portfolio neben dem KI-Kurs aufzubauen ist keine Zusatzarbeit, sondern die eigentliche Arbeit. Wer vier Monate lernt, aber nichts Dokumentiertes liefert, steht nach Kursende ohne vorzeigbare Substanz da. Wer parallel dokumentiert, hat am Ende des Kurses drei bis fünf Projekte, die Arbeitgeber überzeugen.

Dieser Beitrag zeigt dir, wie viel Zeit realistisch ist, welche Projekte sich eignen, wie du die Dokumentation konsistent hinbekommst und welche Fehler typisch sind.

Wann fängst du mit dem Portfolio an?

Nicht in Woche vier. Sondern in Woche eins. Wer die ersten Wochen nur passiv konsumiert und in Woche acht anfängt, Projekte zu bauen, verliert die Hälfte der Kursstrecke. Die Kurskonzepte bauen aufeinander auf. Wer früh anfängt zu bauen, profitiert davon in Block zwei und drei.

Das heißt nicht, dass du in Woche eins ein fertiges Projekt produzierst. Es heißt: Du legst in der ersten Woche das Portfolio-Grundgerüst an (Notion, GitHub, simple Webseite), und du nutzt jede Woche drei bis vier Stunden für Dokumentation und kleine Erweiterungen.

Wie viel Zeit pro Woche ist realistisch?

Neben einem Vollzeit-KI-Kurs mit rund 40 Unterrichtseinheiten sind drei bis fünf zusätzliche Stunden pro Woche für Portfolio realistisch. Weniger führt zu Stagnation, mehr frisst die Erholung auf und schadet der Aufnahmefähigkeit im Unterricht.

ZeitanteilWozu
1 StundeWochenrückblick und Dokumentation
1 bis 2 StundenAktuelles Mini-Projekt aufbauen
1 StundePortfolio-Struktur pflegen, Screenshots, Readme
0 bis 1 StundeRecherche für kommende Projekte

Diese Aufteilung ist keine Norm, sondern eine Orientierung. Wer einen Teilzeit-Kurs macht, kann mehr pro Woche einplanen. Wer Vollzeit-Kurs plus Familie stemmt, kommt manchmal nur auf zwei Stunden. Beides funktioniert, solange die Zeit in den Kalender eingeplant ist.

Wie du dein Gesamt-Zeitbudget im Kurs strukturierst, zeigt der Beitrag zum Zeitmanagement im Vollzeit-KI-Kurs.

Welche Projekte eignen sich parallel zum Kurs?

Fünf Projekttypen haben sich in der Praxis bewährt. Sie unterscheiden sich in Komplexität und Zeitbedarf.

Die Prompt-Sammlung. Eine Sammlung von 20 bis 30 erprobten Prompts für konkrete Aufgaben. Jeder Prompt bekommt Kontext, Beispiel-Input, Beispiel-Output, eine kurze Erklärung wann er passt. Zeitaufwand über vier Monate verteilt etwa 10 bis 15 Stunden. Einfacher Einstieg.

Das Automatisierungs-Experiment. Ein n8n-Workflow, der eine konkrete Aufgabe löst. E-Mails automatisch sortieren, Rechnungen extrahieren, Kalendereinträge aus WhatsApp-Nachrichten erstellen. Zeitaufwand 20 bis 40 Stunden. Erfordert mehr Geduld, weil Debugging Zeit kostet.

Der kleine Chatbot. Ein einfacher KI-Assistent für ein abgegrenztes Thema (FAQ eines Vereins, Produktberatung einer kleinen Firma, Mitarbeiter-Onboarding). 25 bis 50 Stunden. Eignet sich gut für Block 7 und 8 des Kurses.

Die Datenanalyse. Ein CSV-Datensatz plus zwei bis drei Geschäftsfragen plus Visualisierung plus Interpretation. Öffentliche Daten nutzen, zum Beispiel von Destatis{target=“_blank” rel=“noopener”}, kommunale Open-Data-Portale, OECD-Daten. 15 bis 25 Stunden.

Die Konzept-Skizze. Ein Gedankenexperiment für ein konkretes Unternehmen, inklusive Use-Case-Liste, Aufwandsschätzung, Risiken. Keine Implementierung, sondern ein strategisches Papier. 10 bis 20 Stunden. Funktioniert gut als Einstiegsprojekt im ersten Kurs-Monat.

Ein guter Portfolio-Mix für 4 Monate: Eine Prompt-Sammlung (früh), ein Automatisierungs-Projekt (Mitte), ein Chatbot oder eine Datenanalyse (spät), eine Konzept-Skizze (flexibel). Drei bis vier Projekte insgesamt sind ein guter Stand am Kursende.

Wie dokumentierst du konsistent?

Dokumentation ist das Entscheidende. Ohne sie hast du kein Portfolio, nur lose Codefragmente. Drei Prinzipien machen den Unterschied.

Mitschreiben während des Projekts, nicht danach. Ein simpler Text-Log am Ende jedes Arbeitstages: Was habe ich heute gebaut. Was hat nicht funktioniert. Was habe ich gelernt. Drei Zeilen, nicht drei Absätze. Nach zwei Wochen hast du eine echte Entwicklungs-Geschichte, die du nachträglich nicht rekonstruieren könntest.

Screenshots vor Features sind wichtiger als Dokumentation nach Features. Wer einen Vorher-Zustand nicht festhält, kann später keinen Vorher-Nachher-Vergleich zeigen. Vor jedem größeren Eingriff einen Screenshot machen, speichern, vergessen. Am Ende des Projekts sind diese Bilder Gold wert.

Ein festes Format pro Projekt. Vier Abschnitte im Readme. Problem. Lösung. Ergebnis. Erkenntnis. Jeweils drei bis fünf Sätze. Kein Essay, keine Marketing-Sprache. Arbeitgeber lesen Portfolios in 90 Sekunden, nicht in 20 Minuten.

In meinen Kursen sehe ich den größten Unterschied nicht bei der Projektqualität, sondern bei der Dokumentationsdisziplin. Zwei Teilnehmer mit identisch guten Projekten haben sehr unterschiedliche Bewerbungschancen, wenn einer sauber dokumentiert und der andere nicht.

Wo speicherst du das Portfolio?

Keine komplizierte Webseite, nicht am ersten Tag. Für die meisten KI-Kurs-Teilnehmer reicht eine Kombination aus drei Dingen.

Ein einfacher Host für das Portfolio-Dach. Eine Notion-Seite mit öffentlichem Link, eine einfache GitHub-Pages-Seite, oder eine simple Homepage über Anbieter wie Carrd. Keine individuellen Domains, keine komplizierten Themes. Dein Portfolio soll schnell lesbar sein, nicht designt.

Ein Code-Repository für technische Projekte. GitHub kostenlos, ein Repo pro Projekt, ein Readme mit dem Vier-Abschnitte-Format. Code muss nicht perfekt sein, Readme muss verständlich sein.

Ein Backup für Nicht-Code-Projekte. Wenn du Konzept-Papiere oder Datenanalysen hast, ein PDF mit klarem Namen in einer Cloud-Ablage. Link ins Portfolio-Dach.

Wer das Portfolio nach Kursende in Richtung Bewerbung auseinanderzieht, findet im Beitrag Portfolio nach dem KI-Kurs Hinweise zur Weiterentwicklung.

Wie gehst du mit Projekten um, die scheitern?

Nicht jedes Projekt, das du neben dem Kurs anfängst, wird fertig. Das ist normal und kein Problem, solange du die Lernerkenntnis mitnimmst.

Ein gescheitertes Projekt kommt ins Portfolio, wenn du es ehrlich dokumentierst. Format: Problem, versuchter Ansatz, woran es gescheitert ist, was du gelernt hast, was du beim nächsten Mal anders machst. Arbeitgeber schätzen diese Ehrlichkeit oft mehr als ein glatter Erfolg.

Was nicht ins Portfolio kommt: Halbfertige Projekte, die du einfach aufgehört hast zu bearbeiten, ohne Abschlussreflexion. Wer drei halbfertige Projekte zeigt, wirkt unstrukturiert.

Wenn du dich verloren fühlst im Kurs selbst, hilft der Beitrag Was tun wenn du das Tempo nicht hältst. Zur Vorbeugung vor Überforderung ist auch der Umgang mit Frustration relevant.

Welche typischen Fehler vermeidest du?

Fünf Muster tauchen immer wieder auf.

Zu großes erstes Projekt. Teilnehmer wollen direkt einen komplexen Multi-Tool-Workflow bauen und scheitern nach drei Wochen. Start mit einem kleinen, abgegrenzten Ziel. Erweitern geht später.

Fehlende Dokumentation. Code schreiben ist einfach, Dokumentation ist Arbeit. Wer die Dokumentation immer “später” machen will, macht sie nie.

Portfolio als Leistungsschau statt Entwicklungsgeschichte. Manche Teilnehmer polieren einzelne Projekte bis zur Hochglanzvorstellung, zeigen aber keine Entwicklung. Arbeitgeber sehen lieber drei unterschiedliche Projekte mit klaren Lernkurven als ein perfektes.

Fokus auf Tools statt auf Problemen. Ein Portfolio voller “ich habe n8n ausprobiert, ich habe LangChain ausprobiert, ich habe AutoGen ausprobiert” wirkt wie Kurssammeln. Ein Portfolio mit drei Problemen, die durch verschiedene Tools gelöst wurden, wirkt wie Problemlösung.

Zu viel Zeit fürs Portfolio, zu wenig für den Kurs. Wer fünfzehn Stunden pro Woche am Portfolio bastelt, verpasst Kurszeit. Drei bis fünf Stunden sind die Obergrenze neben einem Vollzeit-Kurs.

Welche Rolle spielt das Portfolio in der Bewerbung?

Dein Portfolio ist das, was ein Arbeitgeber in 90 Sekunden sieht, bevor er entscheidet, ob er dich zum Gespräch einlädt. Deine schöne Bewerbung, dein Zertifikat, dein Lebenslauf werden alle nachrangig. Das Portfolio ist der Filter.

Das bedeutet in der Praxis: Eine Portfolio-Seite mit drei gut dokumentierten Projekten schlägt ein Zertifikat ohne Portfolio. Wer den Kurs nur absolviert, aber nichts Greifbares mitnimmt, hat in der Bewerbung einen strukturellen Nachteil. Ob der Kurs gut war oder schlecht, der fehlende Beweis im Portfolio wiegt schwerer.

Wie das Portfolio später in Bewerbungen und Gesprächen konkret genutzt wird, steht im Beitrag Bewerbung nach dem KI-Kurs.

Wer das alles unterschätzt, steht am Kursende mit dem Gefühl da: “Ich habe so viel gelernt, aber ich weiß nicht, wie ich das zeigen soll.” Die Antwort darauf ist Portfolio-Arbeit während des Kurses, nicht danach.

Häufige Fragen

Muss ich coden können, um ein Portfolio aufzubauen? Nein. Prompt-Sammlungen, Konzept-Skizzen und Workflow-Automatisierungen über No-Code-Tools wie n8n sind genauso vorzeigbar wie Code-Projekte. Arbeitgeber im Digitalisierungs-Umfeld suchen Problemlöser, nicht nur Programmierer.
Was ist, wenn ich keine echten Daten oder Aufträge habe? Öffentliche Daten gibt es genug. Statistische Bundesämter, Kommunen, OECD. Für Konzept-Skizzen reicht ein fiktives Unternehmen auf Basis eines real existierenden Betriebs in deiner Region. Wichtig ist, dass du das Problem realistisch beschreibst.
Darf ich Kurs-Inhalte 1 zu 1 ins Portfolio übernehmen? Nein, aber du darfst sie als Ausgangspunkt nehmen und erweitern. Eine Kurs-Übung plus drei eigene Erweiterungen plus Dokumentation ist ein legitimes Portfolio-Projekt. Eine unveränderte Kurs-Abgabe nicht.
Wie aktuell muss das Portfolio am Kursende sein? Alle Projekte mit Readme und klarem Stand. Nicht im Sinne "alles perfekt", sondern im Sinne "nachvollziehbar". Ein halbfertiges Projekt mit Readme "Stand Woche 12, noch offen: XY" ist besser als ein fertiges ohne Readme.
Soll ich mein Portfolio auf LinkedIn verlinken? Ja, in der Zusammenfassung. Ein simpler Link auf die Portfolio-Seite, kein Embed-Wirrwarr. Wer das Portfolio als Teil der LinkedIn-Identität behandelt, wird öfter gefunden. Mehr dazu in [LinkedIn-Profil nach dem KI-Kurs](/blog/nach-dem-ki-kurs/linkedin-profil-nach-ki-kurs/).

Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung. Mehr über den Autor.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.


Dein Portfolio-Ansatz lohnt ein Gespräch? Buch dir 10 Minuten mit Jens für ein Coaching-Gespräch zu deinem Kurs-Rhythmus und Portfolio-Aufbau. Kein Verkauf, sondern Austausch.

Weiterlesen